Robo Advisor: die Zukunft der Geldanlage?

Während Robo Advisor in den Vereinigten Staaten bereits mehrere Milliarden US Dollar an Erspartem verwalten, ist der Markt in Deutschland noch relativ klein. Doch auch hierzulande kommen die Robos immer mehr ins Rollen. Zeit, die digitalen Vermögensberater unter die Lupe zu nehmen.

Worum geht’s?

  • Ein faires und kundenorientiertes Geschäftsmodell will in der Bankenbranche für einen Umbruch sorgen
  • Robo Advisor setzen auf Transparenz, geringe Kosten und eine maximal gestreute Geldanlage
  • Trotz hohem Automatisierungsgrad stehen die meisten Anbieter auch persönlich zur Seite

Hinter Robo Advisorn stecken meist sehr junge Unternehmen mit großem Potential. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit ihr Geld breit am Kapitalmarkt zu investieren und das für einen Bruchteil der Kosten, die bei Banken üblich sind. Ermöglicht wird das durch die Vermeidung aktiv verwalteter Fonds. Stattdessen werden sich die Vorteile von ETFs zu Nutze gemacht: durch die passive Replizierung ganzer Märkte wird enorm kosteneffizient investiert. Diese Ersparnisse können die Robos dann an ihre Kunden weitergeben.

Außerdem haben sich die meisten Anbieter zum Ziel gesetzt, das Thema Geldanlage für jedermann zugänglich zu machen. So wird die Komplexität der Finanzmärkte auf ein Minimum reduziert und die ganze Industrie ein Stück weit entzaubert. Geldanlage muss nicht kompliziert sein – das haben fast alle Robos eindrucksvoll bewiesen.

Die Einfachheit der Plattform, eine transparente Darstellung der Anlagestrategie und Kosten sowie ein Kundenservice, der immer zu erreichen ist. Genau diese Punkte machen Robo Advisor aus. Den Weg zur Bank kann man sich sparen, da auf physische Filialen verzichtet wird. Stattdessen hat man unterwegs oder von zu Hause aus stets den Überblick. Die Digitalisierung macht’s möglich.

Konzepte aus den Finanzwissenschaften werden für die Verwaltung von Vermögen angewendet, digital aufbereitet und einer breiten Masse zugänglich gemacht.

Man könnte also auch von digitalen oder Online-Vermögensverwaltern sprechen. Im Prinzip werden hier Konzepte aus den Finanzwissenschaften für die Verwaltung von Vermögen angewendet, digital aufbereitet und einer breiten Masse zugänglich gemacht. Damit kratzt man aber nur an der Oberfläche: Mit der Digitalisierung dieser Dienstleistungen gehen einige tiefergehende Veränderungen einher.

I Kosten der Robo Advisor

Durch eine hohe Automatisierung der Prozesse und Anlagestrategien können die digitalen Anbieter zu einem deutlich geringeren Preis arbeiten als bisherige Vermögensverwalter und Banken. Teilweise erspart man sich mehr als die Hälfte der jährlichen Anlagekosten – was über den Zinseszinseffekt zu einem beachtlichen Vorteil wird.

II Anlagestrategie

II.1 Prognosefrei – Niemand kann die Kurse von morgen voraussagen.

Die meisten der Robo Advisor wählen eine sogenannte passive oder prognosefreie Anlagestrategie. Damit folgen sie der finanzwissenschaftlichen Lehre, wonach es unmöglich ist, die Preisentwicklung von Aktien vorauszusagen. Der Marktpreis ist immer die beste Schätzung für den Preis von morgen. In vielen umfangreichen empirischen Studien zeigt sich, dass es auch professionellen Portfoliomanagern nicht gelingt über eine lange Zeit konsistent Voraussagen zu treffen, die eine Überrendite ermöglichen. Auch ohne statistische Vorkenntnisse lässt sich dieses Phänomen leicht nachvollzuziehen: damit 50 % besser als der Durchschnitt sein können, müssen die anderen 50 % schlechter sein. Doch wo sind diese 50 %, verspricht doch jeder Fond überdurchschnittlich gute Renditen abzuwerfen?

Robo Advisor

II.2 Langfristige Renditen: Robo Advisor setzen auf die grundsätzlich positive Entwicklung der Weltwirtschaft.

Über einen langen Zeitraum konnte man historisch gesehen an den Aktienmärkten mit einer durchschnittlichen Rendite von 5-7 % p. a. rechnen. Auf Basis dieser Entwicklung werden auch die zukünftigen Renditen prognostiziert. Auch wenn die Vergangenheit keineswegs Garantie sein kann für künftig ähnliche Ergebnisse, so haben viele Anbieter das geliefert, was sie prognostiert haben; oftmals sogar mehr.

II.3 Diversifiziert: Lege nicht alle Eier in ein Nest.

Die wichtigste Grundregel bei einer Anlage ist eine möglichst breite Diversifikation des Risikos anzustreben. Die durchschnittlich erwartete Rendite bleibt konstant, obwohl das Risiko gesenkt wird. Anders formuliert: Die Wertschwankung des Vermögens wird in allen möglichen Entwicklungsszenarien minimiert, ohne die Rendite in diesen Szenarien zu mindern. Für viele Anleger ist genau das entscheidend. Sie wollen keine großen Wertschwankungen ihres Ersparten miterleben. Ab einem gewissen Umfang der Diversifikation ist ein Totalverlust des Vermögens auch so gut wie ausgeschlossen.

Ein einfaches Beispiel: Es gibt zwei Unternehmen und zwei Szenarien. Einen Badehosen- und einen Regenschirmproduzenten. Und es kann entweder die Sonne scheinen oder regnen, jeweils mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %. Wenn die Sonne scheint, bringen Aktien des Badehosenunternehmens 10 % Rendite, wenn es regnet erwirtschaftet der Regenschirmproduzent 10 % Rendite. Angenommen Sie investieren nur in eine Aktie, dann erwarten Sie in 50 % der Fälle 10 % Rendite. Langfristig gesehen also 5 %. Es gibt allerdings Fälle, in denen Sie gar nichts bekommen, sie gehen also ein Risiko ein. Wenn Sie in beide Aktien investieren, erhalten Sie zwar auch nur 5 % Rendite, allerdings unabhängig davon ob die Sonne scheint oder ob es regnet.

II.4 Emotionslos: Rationale Maschinen

Mit der automatisierten Geldanlage geht noch ein weiterer – oft unterschätzter – Vorteil einher. Menschliche Emotionen und Fehler werden aus der Geldanlage entfernt. Objektiv falsche Anlageentscheidungen sind in vielen Fällen der Grund für eine schlechte Wertentwicklung. Algorithmen werden nicht von den Medien beeinflusst, sie laufen nicht einfach anderen Anlegern hinterher oder haben mal einen schlechten Tag. Einige der Anbieter scheinen diesen Punkt noch darüber hinaus für sich nutzen zu wollen und entwickeln eine Strategie, welche den Kunden von der Emotionalität des Marktes profitieren lässt.

Millionen Euro verwalten Robo Advisor derzeit in Deutschland

III. Die neue Kultur der Finanzindustrie

Schließlich geht mit der neu aufstrebenden Industrie eine Veränderung der Kultur einher. Während Banken und Vermögensverwalter seit Jahren von Verbraucherschützern kritisiert werden, unterstreichen Robo Advisor immer wieder ihre transparente und faire Preispolitik und die Kundenorientierung des Geschäftsmodells. Für einige der meist jungen Gründerteams liegt genau hier die Motivation: Faire Geldanlage für Jedermann. Etwas pathetisch vielleicht, aber vielleicht ist es die fehlende Vision einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten, die immer wieder Fehlverhalten in der Finanzbranche nach sich zieht? Beispielsweise das Provisionsgeschäft in der Beratung. Verbraucherschützer haben immer wieder davor gewarnt, dass sich hier Interessen überlagern: Der Berater empfiehlt die Produkte, deren Provision oder Gewinne für ihn am höchsten sind – und nicht die besten Produkte für den Kunden. Keiner der digitalen Vermögensverwalter arbeitete bei unserem Test mit solchen Produkten.

IV. Persönlicher Kundenkontakt – mit einer Maschine?

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Geldanlage ist Vertrauenssache. Das ist unbestreitbar. Automatisierte Anlageberater erfreuen sich in Amerika bereits größter Beliebtheit und auch hierzulande kommen die Robos immer mehr ins Rollen. Doch sollte man sein Erspartes wirklich einem “Roboter” anvertrauen? Wichtig hierbei ist zu verstehen, dass hinter dem automatisierten Berater ebenfalls reale Menschen stehen, die jahrelange Erfahrungen am Kapitalmarkt sammeln konnten. Die zugrundeliegenden Algorithmen basieren meist auf wissenschaftlich fundierten Theorien und erwirtschaften durch enorme Skaleneffekte einen Kostenvorteil, der an die Kunden weitergegeben wird. Es sind hier also nicht wirklich Roboter am Werk.

Für Interessenten, denen direkter Kontakt mit einem menschlichen Berater sehr wichtig ist, stellen einzelne Anbieter über Chat, Telefon und via Mail noch Ergänzungen bereit, über die sämtliche Fragen unsererseits in sympathischer und hilfsbereiter Art beantwortet wurden. Und das meist ohne nennenswerte Wartezeit. Hinzu kommt, dass man bei allen Robo Advisorn über einfach zu erreichende Kundencenter oder personalisierte Apps seinen Kontostand beobachten und jederzeit Auszahlungen vornehmen kann. Frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

V. Fazit: Klare Branchenempfehlung für Robo Advisor – trotz Kinderkrankheiten

Natürlich sind die Robo Advisor nicht perfekt. Die Branche ist noch relativ jung und wahrscheinlich ist jeder der Anbieter von seiner Vision eines perfekten Produktes noch weit entfernt. Oder hat sie in der Form, in der sie am Ende vorliegen wird, noch gar nicht entwickelt. Allerdings ist das in jeder neuen Branche und besonders beim Modell “Start-Up” immer so. Nützliche & funktionierende Produkte haben alle hier vorgestellten Anbieter. Wenn zum Beispiel das Zusenden eines Beratungsprotokolls fehlt, wie das Stiftung Ökotest monierte, halten wir das für kein großes Problem. Die sich ergebende Portfoliozusammenstellung lässt sich bei allen Anbietern mühelos immer wieder replizieren und damit nachvollziehen. Über eine Anlage sollte man sich auch nicht innerhalb von ein paar Minuten entscheiden. Vielmehr ist ein grundlegendes Verständnis über das Produkt erforderlich. Und das lässt sich zu Hause vor dem Computer mit YouTube, Google und den detailliert ausgearbeiteten Informationen der Anbieter besser erreichen als bei einem von Verkaufsdruck dominierten Gespräch mit einem Berater, der mit unverständlichen Fachwörtern um sich wirft. Hier können wir getrost eine klare Branchenempfehlung aussprechen, denn im Vergleich mit äquivalenten Finanzprodukten sind Robo Advisor nach etwas Einarbeitung für jedermann leicht verständlich. Robo Advisor sind längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen.

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