Auf der Suche nach den besten ETFs – Kriterien zur ETF-Auswahl

Bei der Suche nach den besten ETFs gilt es zahlreiche Kriterien zu beachten. Vor allem als privater Investor verliert man angesichts der Vielzahl an ETFs und der zu beachtenden Kriterien schnell den Überblick. Wir möchten hiermit eine Übersicht bereitstellen, auf was zwangsläufig geachtet werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Seite 1 – Replikationsmethode, Spread & Ausschüttungsmethode

Seite 2 – Steuern, Wertpapierleihe, Gesamtkostenquote & Fazit

Die Finanzindustrie hat viele Wege gefunden, ein eigentlich einfaches Finanzprodukt zu verkomplizieren. Wie so oft wird versucht, das volle Potenzial auszuschöpfen, um mehr Rendite zu erwirtschaften. Auf der Kehrseite stehen ein erhöhtes Risiko sowie ein Dickicht an Informationen, das nur schwer zu durchschauen ist. Privatanleger sollten beim “ursprünglichen” Produkt – nämlich dem Investieren in einen Index – bleiben und unnötige Risiken vermeiden. Außerdem kann ein bürokratischer Mehraufwand entstehen, möchte man einer Doppelbesteuerung entgehen. Umso wichtiger ist es, bereits im Vorfeld die richtige Wahl zu treffen.

Infografik: ETF-Markt Status quo

1. Die Replikationsmethode: Physisch vs. Synthetisch

Zunächst einmal ist relevant, auf welche Weise der ETF einen Index repliziert.Ein physisch voll replizierender ETF legt das investierte Geld 1:1 in die Titel seines zugrundeliegenden Indexes an. Dabei stimmt auch die Gewichtung der einzelnen Titel im ETF mit der des Indexes gemäß Marktkapitalisierung überein. Folgerichtig spricht man hier oft auch von voller oder echter Replikation.

Synthetische ETFs, die auf Tauschgeschäften (sogenannten Swaps) basieren, gehen hingegen einen Handel mit einer Bank ein. Dabei besteht ihr Portfolio aus beliebig anderen Titeln. So bildet etwa der LYXOR UCITS ETF Hong Kong HSI den Leitindex der Börse Hongkong ab, enthält aber zu fast 50 % Aktien deutscher Unternehmen, darunter Bayer, BASF und Adidas. Im Austausch gegen die Performance des eigentlichen Index bieten sie dann die Rendite ihres Trägerportfolios an. Damit geht ein gewisses Kontrahentenrisiko einher: Wird einer der Vertragspartner zahlungsunfähig, erhält die Gegenpartei womöglich bestehende Forderungen nicht länger ausgezahlt. Auch wenn der Unterschied der Kurse nach EU Richtlinien nicht größer als 10 % betragen darf, und auch viele Anbieter deutlich früher den eigentlichen Swap durchführen, bleibt dennoch ein Risiko für den Anleger. Der theoretische Maximalverlust aus der Investition in einen Swap-basierten ETF beträgt somit 10 % des Anlagevolumens. Dieses Risiko wird von vielen Anbietern durch die Hinterlegung von Sicherheitsleistungen zwar auf weniger als 4 % verringert. Dennoch ist es ratsam, das Risiko durch die Wahl richtiger ETFs zu vermeiden.

2. Höhe der Spreads

Beim Handel mit ETFs kann ein sog. Spread anfallen, der auch als Geld-Brief-Spanne bezeichnet wird. Jeder ETF-Anbieter stellt einen sog. Market Maker an der Börse, der sich zum Angebot von Kaufs- und Verkaufskursen verpflichtet. Entsteht nun zwischen beiden Kursen eine Diskrepanz, so fließt diese dem Market Maker als Gegenleistung dafür zu, dass er jederzeit bereit ist, den ETF zu kaufen bzw. zu verkaufen. Anders gesagt, der Market Maker schafft Liquidität und wird dafür mit dem Spread belohnt. Je höher im Umkehrschluss dieser Spread ausfällt, desto höher sind Ihre Handelskosten.

Hinweis: Je größer oder bekannter ein ETF ist, desto niedriger ist auch der Spread. Der Spread wiederum sinkt mit der Liquidität eines ETFs und der Größe des Handelsplatzes. Bei beliebten ETFs z.B. auf den Euro Stoxx 50 sollte der Spread also unbedeutend klein ausfallen und erreicht eher bei sehr kurzen Haltedauern, bei denen oft nur Gewinne unter 1 % erzielt werden, eine signifikante Größe (0,1 % Spread wären immerhin ein Zehntel der gewonnenen 1 %).

ETFs wurden Ende 2016 bereits gehandelt; Tendenz: stark steigend.

3. Die Ausschüttungsmethode: Ausschüttend vs. thesaurierend

ETFs haben natürlich auch Unternehmen im Portfolio, die Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Wie bei Investitionen in Einzeltitel oder aktive Fonds gilt es auch für ETFs zu entscheiden, ob Sie sich diese Erträge ausschütten lassen wollen, oder ob der ETF diese einbehalten und reinvestieren (thesaurieren) soll.

Die Wahl zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs hängt von der Anlagestrategie ab, die Sie verfolgen. Wollen Sie regelmäßig zusätzliches Einkommen generieren und darüber frei verfügen, sollten Sie ausschüttende ETFs wählen. Beachten Sie hierbei, dass erneut Ordergebühren entstehen, falls Sie die erhaltenen Erträge erneut anlegen. Wollen Sie dagegen langfristig Vermögen aufbauen, dann sind thesaurierende ETFs die bessere Wahl. Durch die Reinvestition der Erträge machen Sie sich den Zinseszinseffekt zunutze, der gerade innerhalb eines langfristigen Anlagehorizonts einen stattlichen Anteil zum Vermögenswachstum beiträgt. Da die getesteten Robo Advisors diese Strategie verfolgen, verwenden diese ausschüttende ETFs, wodurch Dividenden steueroptimiert reinvestiert werden können. Abschließend ist bei der Wahl der Ausschüttungsmethode noch ein steuerlicher Aspekt zu beachten, der im nächsten Schritt erläutert wird.

 

 

 

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