Fortsetzung: Auf der Suche nach den besten ETFs

Neben den bereits genannten Merkmalen sollte auch darauf geachtet werden, inwiefern der steuerliche Aspekt eine Rolle bei der Ausschüttung spielt, ob der ETF seine Rendite ohne Leihgeschäfte erwirtschaftet und was es mit der Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio) auf sich hat.

Inhaltsverzeichnis

Seite 1 – Replikationsmethode, Spread & Ausschüttungsmethode

Seite 2 – Wertpapierleihe, Steuern, Gesamtkostenquote & Fazit

4. Wertpapierleihe

Ein weiterer Faktor, den es bei der ETF-Wahl zu beachten gilt, ist die sog. Wertpapierleihe. Falls diese vorliegt, verleiht der ETF enthaltene Wertpapiere gegen eine Leihgebühr, um auf diese Weise eine noch höhere Gesamtrendite zu erwirtschaften. Die ausleihende Person, in der Regel ein Investor, ist für den Zeitraum der Leihe Eigentümer, kann mit dem Wertpapier also tun und lassen, was er möchte. Es entsteht das Risiko, dass professionelle Investoren die geliehenen Wertpapiere leer verkaufen, also auf fallende Kurse setzen (Shorten). Im positiven Fall verdienen die Investoren ihre erhoffte Rendite an diesem Geschäft, zahlen die Leihgebühr an den ETF, und die Gesamtrendite erhöht sich. Falls der Kurs des Wertpapiers jedoch steigt, können die Investoren das leerverkaufte Wertpapier eventuell nicht zurückkaufen, wodurch ein Ausfallrisiko entsteht.

Infografik Wertpapierleihe

Wertpapierleihe einfach erklärt

Der dadurch entstehende Verlust schmälert die Performance, was sich letztendlich zuungunsten der Investoren des ETFs auswirkt. Unglücklicherweise lässt sich diese Leihe zwar nie gänzlich ausschließen, jedoch zumindest verringern. Hinsichtlich der von uns getesteten Robo Advisors achtete nur der Testsieger mit größter Sorgfalt darauf, sie auf ein Minimum zu reduzieren. Alle anderen Robos tolerieren den Verleih von Wertpapieren, u.a. als Instrument zur Verminderung des Tracking Errors.

5. Steuern

Grundsätzlich gilt: Wer am Kapitalmarkt Geld verdient, muss dieses auch versteuern. Ausschüttende ETFs sowie ETFs jeglicher Ausschüttungsmethode mit Fondsdomizil in Deutschland führen Steuern automatisch ab – Sie müssen sich steuertechnisch um nichts weiter kümmern. Man spricht hier von Steuereinfachheit. Anders ist es jedoch bei thesaurierenden Fonds mit ausländischem Fondsdomizil. Diese erwirtschaften sogenannte “ausschüttungsgleiche Erträge”, welche versteuert werden müssen, obwohl Sie selbst gar keine Dividendenzahlung erhalten haben, sondern reinvestiert wurde. Wird der ETF nun von Ihnen gewinnbringend verkauft, zahlen Sie erneut eine Abgeltungssteuer.

Um einer solchen Doppelbesteuerung zu entgehen, müssen die jährlich geleisteten Zahlungen also in Ihrer Steuererklärung aufführen und bei Verkauf des Titels dem Finanzamt vorlegen. Nur so können Ihnen die Steuern auf ausschüttungsgleiche Erträge zurückerstattet werden. Wie Sie überprüfen, ob dieser Mehraufwand für den ETF Ihrer Wahl von Nöten ist, erfahren Sie z.B. in folgendem Video.

Die gute Nachricht: Am 01.01.2018 tritt die Investmentsteuerreform in Kraft. Diese sorgt dafür, dass Fonds (und somit auch ETFs) unabhängig von deren Fondsdomizil nach derselben Systematik besteuert werden. Die Abgeltungssteuer auf Investmenterträge wird dann pauschal anhand der Wertentwicklung des jeweiligen ETFs und einem vom Finanzamt jährlich errechneten Basiszins erhoben und von Ihrer Depotbank abgeführt – Ihnen entsteht somit kein steuerlicher Mehraufwand mehr. Der Aspekt des Steuermehraufwands spielt also für Sie nur noch bis Ende 2017 eine Rolle.

Weiterführende Informationen finden Sie z.B. hier.

6. Die Gesamtkostenquote (TER)

Die Gesamtkostenquote eines ETFs spiegelt dessen laufende Kosten wider. Diese sind von Ihrem im ETF investierten Fondsvermögen abzuziehen. Zu den Gesamtkosten gehören u.a. die Kosten für Administration, Verwaltung und Überwachung, sowie Lizenz- und Depotbankgebühren. Generell rangiert die TER eines ETFs zwischen 0,1 und 0,8 % und ist für jeden ETF einsehbar.

All die eben genannten Kostenarten sind von vornherein bekannt. Doch Vorsicht: Andere Kosten, z.B. Kosten für Swap-Geschäfte, lassen sich erst im Nachhinein berechnen und sind nicht Bestandteil der TER. Folglich ist der ETF mit der niedrigsten Gesamtkostenquote nicht zwangsläufig der günstigste! Insbesondere bei synthetisch replizierenden ETFs ist mit versteckten Kosten zusätzlich zur TER zu rechnen.

Fazit

Physisch replizierende ETFs sind hinsichtlich Zusammensetzung und Kosten transparenter als synthetisch replizierende. Ähnliches gilt für die Wertpapierleihe: Ohne sind sie auf der sicheren Seite und unabhängig vom geschäftlichen Geschick anderer Marktakteure. Für beide Aspekte gilt jedoch auch: Ihnen entgehen etwaige Mehrerträge. Für den langfristigen Vermögensaufbau, der nunmal ein Hauptgrund für die Gründung dieser Seite war, eignen sich thesaurierende ETFs dank des Zinseszinseffekts besser. Mit der Reform der Investmentbesteuerung fällt außerdem die steuerliche Hürde für thesaurierende Fonds im Ausland weg. Idealerweise weist ihr ETF auch noch einen niedrigen Spread auf. Treffen all diese Kriterien zu, kann anhand der TER eine Auswahl erfolgen.

Die professionelle Alternative mit minimalem Aufwand

Dieser Auswahlprozess dürfte für viele allerdings kein Kinderspiel darstellen. Aufgrund steigender Beliebtheit replizierender Fonds wird der Markt weiterhin mit ETFs geflutet. Die Entscheidung auf eigene Faust wird also in Zukunft nicht gerade einfacher. Um an der in der langen Frist durchweg positiven Entwicklung des Kapitalmarktes teilzuhaben, ohne jedoch zermürbendes und schier endlos scheinendes Research betreiben zu müssen, bieten sich Robo Advisor außerordentlich gut an. Sie kombinieren niedrige Kosten mit Kundennähe, halten viele der oben genannten Kriterien ein und nehmen dem Kunden auch über die Einmalanlage hinaus mühsame Arbeit ab – wobei immer ein relativ hoher Grad an Transparenz gewährt wird. Für uns sind Robo Advisor eine ernstzunehmende und nicht mehr wegzudenkende Alternative der Geldanlage geworden.

Alle Robo Advisor am deutschen Markt

Wir haben sie getestet

Die hier beschriebenen steuerlichen Aspekte haben keinerlei Beratungscharakter. Für die umfangreiche Beantwortung steuerlicher Fragen konsultieren Sie einen Steuerberater.