Aktives versus Passives Investieren

Passiv Investieren. Oder: Von der Unmöglichkeit die Zukunft vorherzusagen

Seit Jahren hält sich der Glaube in der Bevölkerung, mit einem besonderen Investitionsansatz sei eine erhebliche Überrendite zu erwirtschaften. Eine ganze Industrie verschreibt sich diesem Ziel und versucht mit teils hoch komplexen Analysen den Markt zu sondieren. Doch lohnt es sich für Privatanleger deshalb tatsächlich, bedeutend mehr Kosten für solche Ansätze in Kauf zu nehmen? Oder reicht es, passiv zu investieren?

Worum geht’s?

  • Aktiv vs. passiv investieren: der Einstieg in die Begrifflichkeiten
  • Wissenschaft und Forschung: welche Schlüsse lassen sich ziehen?
  • Wie lässt sich der Markt schlagen?

Lehrmeinung und Forschung weist in Richtung passiv investieren

Nicht erst seit gestern wird an den finanzwissenschaftlichen Fakultäten dieser Welt ein und dieselbe Lehre gepredigt: Setzen Sie auf Diversifikation und langfristiges Investieren. Prognosen über zukünftige Kursverläufe sind nicht möglich. In einem großen Teil der Bevölkerung hingegen hält sich der Glaube, man könne mit ein paar Stunden Lektüre von Investment Magazinen oder Foren besser als der Markt abschneiden. Oder mit dem Tipp eines Bekannten, der ein vermeintlich hohes Tier bei einem besonderen Unternehmen ist, schnell reich werden. Bei solchen Aussagen sollte man direkt abschalten: Sie zeugen von mangelndem Verständnis für das Thema. An dieser Stelle möchten wir die Möglichkeit nutzen, zu erklären warum.

Letztendlich kulminiert der ganze Diskurs am folgenden Punkt: aktives Trading oder passive Portfolioallokation.

  • Aktives Trading meint dabei den Versuch, basierend auf Vorhersagen über zukünftiges Marktverhalten Überrenditen zu erzielen.  Letztendlich also eine höhere Rendite zu erzielen als der Markt im Durchschnitt.
  • Eine passive Portfolioallokation oder passiv investieren beschreibt das Auswählen und langfristige Halten einzelner Bausteine – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Aktive Strategien versuchen, den Markt zu schlagen, passive Strategien nutzen die langfristige Effizienz des Marktes.

Studien zeigen: den Markt zu schlagen ist statistisch gesehen nicht möglich

Unzählige Untersuchungen zeigen, dass aktive Strategien langfristig nicht in der Lage sind, den Markt zu schlagen. Unabhängig davon, ob ein Stammtischinvestor oder studierter Doktor der Mathematik in Vollzeitbeschäftigung für die Entscheidungen verantwortlich ist. Eine sehr bekannte ist die SPIVA Scorecard von S&P Dow Jones Indices. Seit mehreren Jahrzehnten vergleicht diese Studie aktive und passive Investmentfonds. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig.

Der Report für Europa Ende 2016 lässt sich beispielsweise folgendermaßen zitieren:

“In the U.S., equity markets delivered strong returns over the one-year period, but more than 79% of U.S. active funds underperformed the S&P 500®. This poor performance persisted over the longer term, as over 97% of active funds trailed the benchmark over the 10-year period.”

Bereits bei einen Zeitraum von 10 Jahren liegen 97% der aktiv gemanagten Fonds hinter ihren korrekt gewählten Vergleichsmaßstäben. Nur 3% der aktiven Fondsmanager schafft es in dieser Periode, den Markt zu schlagen. Das alleine ist bereits ein ziemlich schwerwiegendes Argument. Zwei weitere Punkte fügen dem noch mehr Gewicht hinzu.

Erstens wechselt die Gruppe der Fondsmanager, die den Markt schlagen, von Periode zu Periode. Wer in der nächsten Periode zu den “guten” Fondsmanagern gehört lässt sich genausowenig vorhersagen, wie die Entwicklung einzelner Aktien. Das bedeutet auch, dass bei einer Erhöhung des betrachteten Horizonts auf zwanzig, dreißig Jahre der Anteil der aktiven Fonds, die den Markt schlagen, noch weiter gegen Null sinkt.

Zweitens kosten aktiv verwaltete Produkte meist ein Vielfaches. Einige sogar das 4- oder 5-Fache von passiven Produkten: 2% – 3% Ihrer Rendite wird einfach von den Fondsmanagern einbehalten. Ein großer Teil der Bevölkerung glaubt demnach an Produkte, die umfangreichen wissenschaftlichen Studien zufolge – objektiv – schlechter sind als eine verfügbare Alternative. Und bezahlt dafür auch noch etwas drauf.

Warum ist es aber so schwer den Markt zu schlagen?

Dafür lohnt es sich kurz zu reflektieren, was der Markt eigentlich ist. In den Nachrichten fallen oftmals Sätze wie “die Reaktion der Märkte”, “es bleibt abzuwarten wie sich die Märkte verhalten”, oder “die Märkte bestrafen diese oder jene Aktion”. Als seien die Märkte irgendeine Art Wesenheit, die unabhängig von den beteiligten Individuen existiert. Allerdings ist ein Markt nichts anderes als ein Ausdruck für eine gewisse Menge an Käufer-Verkäufer Beziehungen.

Im Falle der internationalen Kapitalmärkte sind damit mehrere Millionen oftmals umfangreich ausgebildete und in Vollzeit mit dem Handeln beschäftigte Personen gemeint. Durch den Preismechanismus einigen sich diese Millionen Menschen auf den aktuellen Wert einer Aktie. Jemand, der behauptet, er könne langfristig besser sein als der Markt, behauptet er könne langfristig wiederholt bessere Entscheidungen treffen als eine überwältigende Masse an Menschen, die sich – verbunden über einen hochgradig effizienten Mechanismus – gemeinsam der gleichen Frage widmet.

Und doch hält sich der Glaube hartnäckig, man könne an der Börse schnell sehr viel Geld verdienen, wenn man nur schlau genug ist. Sicher, es gibt Beispiele, in denen das geglückt ist. Solche Anekdoten zu rezitieren gehört wahrscheinlich zu der Grundqualifikation jedes Stammtischinvestors. Sie sollten sich allerdings fragen: Wenn Ihnen jemand erzählt, dass es einige überlebt haben, würden Sie vom Balkon springen, nur um schneller am Ziel anzukommen? Nehmen Sie lieber den sicheren Weg über den Aufzug. Es dauert vielleicht etwas länger – ankommen werden Sie aber in jedem Fall.

Leider gibt es auch immer wieder neue Produkte, die sich diesen hartnäckigen (Irr-)Glauben in der Bevölkerung zu Nutze machen. Börsengurus, umfangreiche Analysen und Prognosen sowie unzählige Magazine und Foren, die alle daran Geld verdienen, indem sie suggerieren man könne den Markt langfristig schlagen. Bei Millionen, die es probiert haben, ist es nur ein paar wenigen wirklich gelungen.

Ein Interview mit Gerd Kommer (erfolgreicher Buchautor mit jahrelanger Erfahrung im Asset Management) über die Vor- und Nachteile beider Strategien

Einige der hier bewerteten Robo Advisor sind da leider keine Ausnahme. Auch wenn Sie meist ein gutes Stück in Richtung eines passiven Ansatzes gehen und die dafür adäquaten Produkte wählen, fügen Sie diesem Ansatz teilweise noch aktive Bestandteile hinzu. Auf theoretischer und auf empirisch-statistischer Ebene sprechen einige Argumente gegen solch eine Herangehensweise. Im Gegensatz zu einigen Tests, die aufgrund genau dieser aktiven Aspekte hohe Punktzahlen vergeben, sind wir überzeugt davon: Aus Vergangenheit und Wissenschaft lässt sich ableiten, dass diese Strategien langfristig hinter wirklich passiven zurückbleiben werden. Daher bewerten wir aktive Bestandteile negativ.

Fazit: Passiv Investieren scheint überlegen

Verbraucher in der Finanzbranche haben eigentlich schon seit Jahrzehnten genau das gleiche Problem. Es kommen immer wieder überzeugende Produkte und Anbieter auf den Markt, die auf nachvollziehbare Weise erklären, warum genau sie die wirklich großen Gewinner der Zukunft machen. Neuer Investmentansatz, neue Bewertungsmethode, Technologie oder einfach Kenntnisse, die kein anderer hat. Wenn man sich ein paar Jahre mit der Börse beschäftigt, laufen einem zahlreiche solcher “Durchbrüche” über den Weg. Alle wollen einen Weg gefunden haben, bessere Prognosen über zukünftige Kursverläufe möglich zu machen. Nach einigen Jahren stellt sich dann mit einer beeindruckenden Konstanz heraus, dass es sich bei den (kurzzeitig) gefeierten Methoden hauptsächlich um heiße Luft gehandelt hat. Am Ende kocht eben doch jeder nur mit dem gleichen Wasser.

Dass Anbieter sich mit solchen neuen Produkten schmücken, ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Um das Thema herum hat sich eine riesige Industrie gebildet. Medien aller Art, die über neue Bewertungsmethoden, Ansätze und die großen Gewinner der letzten Perioden und ihre Strategien berichten. Für einen langfristigen Vermögensaufbau, wie ihn die meisten Menschen nunmal anstreben, wenn sie darüber nachdenken zu investieren, ist dieses ganze Thema jedoch vollkommen kontraproduktiv. Aus diesem Grund legten wir bei der Bewertung der einzelnen Robo Advisor großen Wert auf einen passiven Investitionsansatz.

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